Neuer Skulpturen-Garten auf der Festung Rosenberg
Kronach. Ein Kontrabassist und Harfenist, ein Drehorgel- und Panflöten-Spieler, ein Dudelsackpfeifer und Trommler - Seit kurzem ziert eine in Stein gehauene „Musik-Kapelle“ den Garten neben der Cafeteria auf der Festung Rosenberg. Dass dieser so zauberhafte Ort mit dem herrlichen Ausblick zum Skulpturen-Garten wurde, ist Georg „Schorsch“ Meußgeier zu verdanken, der sein von ihm im Zeitraum 1985 bis 1991 geschaffenes sechsteiliges Ensemble der Stadt Kronach überließ.
„Typisch für das Schaffen von Georg Meußgeier sind ausdrucksstarke Figuren, die durch eine spezifische Mimik und Körperhaltung dem Sandsteinblock die Schwere nehmen“, würdigte Museologe Alexander Süß bei der kleinen Einweihungsfeier dessen enorme künstlerische Schaffenskraft. Der nunmehr 92-Jährge erhielt bereits als Kind Unterricht im Modellieren und Zeichnen, unter anderem beim vielseitigen Kunsthandwerker Gottfried Neukam, dessen Werkzeuge er zum Teil weiternutzte. Bereits vor, aber auch während seiner Tätigkeit im Vermessungsamt schuf Georg Meußgeier zahlreiche Modelle für die Porzellan-Industrie, so - für die Pech Porzellanfabrik Kronach - Tierfiguren im Stil der 1950er Jahre, Tänzerinnen und tanzende Paare etc., die als Porzellan-Version teils in Serie gingen. Mit seiner Pensionierung begann er damit, auch bildhauerisch zu arbeiten, und eignete sich als Autodidakt die dazu nötige Technik selbst an. Seine in Bozetti (Künstlerische Entwürfe in 3D) geformten Ideen dienten dann als entspreche Vorlage für die Skulpturen aus Kronacher Sandstein.
Auslöser für die Entstehung der musikalischen Serie war der Wunsch seiner leider mittlerweile bereits verstorbenen Ehefrau Traudl Meußgeier. Die Musikergruppe war ursprünglich im Garten der Familie Meußgeier zusammen mit einem Brunnen aufgestellt. Das Thema orientierte sich an der Vorliebe von Traudl Meußgeier, die als junge Frau selbst musizierte. Die Werke entstanden spontan ohne besonderen Auslöser oder nach einem prägenden Eindruck - wie einer Lesung mit Günther Grass in Kronach, dessen Figur des Oskar Mazerat aus der Blechtrommel ihn zu dem Trommler (1991) inspirierte. Desweitern dargestellt ist ein Kontrabassist (1985), Drehorgelspieler (1987), König David mit seiner Harfe (1989), ein Dudelsackpfeifer sowie der Hirtengott Pan mit Panflöte (beides 1990).
„Die Gesamtkomposition betont das Wesen der dargestellten Figuren und gibt ihnen eine individuelle Persönlichkeit. Jede Arbeit ist anders und unterscheidet sich von der anderen“, stellte Alexander Süß heraus. Der beinahe spontane Moment, in dem die Musizierenden gezeigt werden, schaffe eine private Atmosphäre zwischen Betrachter und Kunstwerk. Diese Stimmung könne im geschützten Raum des Skulpturen-Gartens ihre besondere Wirkung entfalten.
Neben dieser thematisch geschlossenen Gruppe schuf der Bildhauer-Künstler viele andere Skulpturen, die heute in Kronach, Neuses, Weißenbrunn oder Lauenstein in Privatbesitz sind. Im Kronacher Stadtgebiet gibt es den „Viertelmeister“ vor dem Wohnhaus der Familie Wicklein sowie noch einen Musiker im Garten des BRK-Seniorenheims, in dem vor ihrem Tod Traudl Meußgeier lebte. Mit dem Skulpturen-Garten würdige man - so der Museologe - den „Künstler“ Georg Meußgeier, der er, wenngleich nie offiziell, immer gewesen sei.
„Georg Meußgeier war uns als Kunstsachverständiger über die Jahrzehnte hinweg stets ein fachkundiger und kompetenter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um Kunst und Kultur“, lobte Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann, die eingangs die Teilnehmer der offiziellen Übergabe begrüßte. Unter ihnen befanden sich vor allem Freunde, Wegbegleiter und ehemalige Arbeitskollegen des Kronacher Urgesteins wie auch Verantwortliche für die Umsetzung des neuen Skulpturen-Gartens, insbesondere Steinmetzmeister Stefan Gehring und Tourismus-Chefin Dr. Kerstin Löw. Der Kronacher habe sich stets mit seiner Heimatstadt identifiziert und seine bereits frühzeitig erkannten Talente auch für diese eingesetzt - so unter anderem durch das Modellieren von Porzellanfiguren - mittlerweile echte Sammlerstücke, das Konzipieren von Vorlagen für Ehrengeschenke, die Sichtung bzw. Bewertung von Schenkungen an die Stadt Kronach oder auch die Überlassung seiner bedeutenden Exlibris-Sammlung für Sonderausstellungen auf der Festung Rosenberg.
Durch seine großzügige Schenkung des Sandstein-Ensembles erfahre - so die Bürgermeisterin - die Festung eine große Bereicherung. Der Standort auf der Bastion St. Heinrich sei wohl gewählt; handele es sich doch dabei um einen - inmitten der sonst belebten Festung - Rückzugsort, an dem man seine Gedanken schweifen lassen könne; gerne auch bei einem Stück Kuchen oder Kaffee aus der benachbarten Cafeteria.
Georg Meußgeier selbst machte nicht viele offizielle Worte. Er freute sich, dass so viele Weggefährten der Einladung gefolgt waren und über den neu geschaffenen Anziehungspunkt: „Die Musiker haben nun ihren endgültigen Platz gefunden; das freut mich sehr!“
Text: hs